Türkei-Referendum – Stolzer Rassismus und Angst werden das Ergebnis bestimmen 

Man stelle sich vor, das Türkei-Referendum endete mit einem NEIN. 

Guter Witz! 

Wir reden von einen Land, das seit über 100 Jahren, eigentlich gar seit 1050 mit den Oghuzen, sich seines Rassismus rühmt und Andersdenkenden automatisch Verrat unterstellt. 

Dieses Land hat Übung in der Ausschaltung von Mindermeinungen und scheut sich nicht, denen, die nicht endlich still sein wollen, jedweden Schaden zuzufügen. 

1915. 1923. 1938. 1955. 1974. 1993. 2007. Vieles davor, dazwischen und danach. 

Wahlbetrug ist ebenso selbstverständlich wie es die kleinste, demokratische, Sorge ist.  

Die Menschen in der Türkei werden mehrheitlich mit JA stimmen. 

Ein Grossteil aus Überzeugung, der Rest aus Angst. Ein Staat, der über Jahrzehnte Pässe zur Kenntlichmachung religiöser und ethnischer Zugehörigkeiten codiert, um Diskriminierung zu gewährleisten, wird einen Weg gefunden haben, so manchen Stimmzettel so manchem Staatsbürger zuordnen können. 

Und wer wollte der Demokratie wegen enden wollen, auf der Straße liegend wie Hrant Dink oder Tahir Elci, in Unfreiheit wie Selahatin Demirtas, Sevan Nisanyan oder eben Deniz Yücel. 

Ein Staat, der mit Deutschland und den Niederlanden internationale Unruhe inszeniert, wird sich abgesichert haben. 
Auch in Deutschland wird manch einer, aus Angst um seine Familie in der Türkei mit JA gestimmt haben. Viele Menschen kappen bereits Facebook- und Twitter- Kontake zur Familie, um nicht als Familienmitglied und Erpressungsobjekt identifiziert werden zu können. 

Die meisten aber, ausgehend von den Wahlergebnissen 2015 schätzungsweise zwischen 60-75%, werden mit JA gestimmt haben, aus Überzeugung: 

Zum Wohle der Nation, einer starken, neuen alten Türkei.

Zum Wohle der türkischen Umma, und gar zum Wohle aller Muslime, die der Türkei einen Führungsanspruch zutrauen.

Schliesslich hat der Führer in der arabischen Welt, in der man gegenüber der Türkei nach 1923 wegen des Raki und der Freizügigkeiten kein Ansehen mehr besaß, dieser Nation den verdienten Respekt und Popularität, gar die Unterstützung des Saudischen Staates verschafft. 

Die Türkei ist stark genug, um sich öffentlich ungestört mit der Muslimbrüderschaft zu solidarisieren, sich zu ihr zu bekennen. 

Die Türkei ist stark genug, um ungestört in den Irak und in Syrien einzumarschieren, und um ungestört den Osten ihres Landes zu zerstören. 

Sie ist stark genug, um im Namen der Demokratie bärtige Männer mit Schlagstöcken auf die Straße zu bringen, damit diese für Putschisten und andere die Todesstrafe fordern resp. realisieren. 

Sie ist stark genug, um in Deutschland morgens um 01.00 Uhr spontan, binnen Minuten, Hunderte auf die Strasse zu bringen. 

Die neue Türkei ist stark genug, es den Deutschen zu zeigen, und ihre in Deutschland lebenden Landsleute zu rächen, in dem sie die Merkels und Steinmeiers mit fehlenden Flaggen, niedrigeren Stühlen oder mit der öffentlichen Abfuhr jeder Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus, zu demütigen.

Die Türkei ist Vorbild für viele muslimische Staaten Afrikas, die ihre Studenten an die Universitäten des Führers entsenden. 

Man wird mit JA stimmen, wider den Verrätern, 

wider den imperialistischen Mächten und der Islamophobie,

wider den Armeniern und Juden, 

wider den Aleviten und Kurden, 

wider den Deutschen, die unter dem Deckmantel der Integration die Assimilation der Türken, und damit die Vernichtung des Türkentums und die Zwangschristianisierung bzw. die Ent-Islamisierung, alles Verbrechen gegen die Menschlichkeit, verlangen. 

Man wird mit JA stimmen, wider denen, die aus anständigen Türkinnen unter dem Deckmantel der Emanzipation Freiwild für ungläubige Männer machen wollen, 

wider denen, die die Ehre beschmutzen wollen,  

wider der weltweit herrschenden Turkophobie. 
Ein jedes Feindbild kann bedient werden. 

1000 Gründe für ein JA. 

 

Herr D. – Was haben Sie gemacht?

Integration ist eine Frage des Respekts

Sehr geehrter Herr D.,

ich finde es gut, dass sie einen kritikwürdigen Artikel nicht einfach haben stehen lassen. Mit Ihrer Entgegnung auf den Artikel von Herrn Detlef Alsbach „Ich möchte Ausländer werden!“ (hier) haben Sie Engagement gezeigt und mit „Du kannst kein Türke werden!“ ( hier) alles ins richtige Licht gerückt. Oder?

Gewiss, Alsbach überschreitet mit dieser Ironie die Grenzen des guten Geschmacks. Dem integrationsunwilligen, problematischen Ausländer setzt er die Gestalt eines Türken gleich, schreibt diesem Einstellungen und Verhaltensweisen zu, die alles andere als gesellschaftsdienlich sind: der Ausländer beherrsche weder seine eigene Muttersprache, noch die deutsche; genieße aufgrund seiner ausländischen Herkunft immer den Vorteil, seinem Gegenüber mit der pauschalen Keule der Ausländerfeindlichkeit drohen zu können und werde grundsätzlich immer gern über die Möglichkeiten einer finanziellen Unterstützung informiert. Schlussendlich folgt dann noch eine Kritik an dessen Religion. Unschön ist der Text vor allem, weil er den Eindruck erweckt, ausnahmslos alle Türken würden diesem Bild entsprechen.

Nun, ich würde mich, sofern ich mich dazu entschlösse eine Entgegnung zu diesem Artikel zu schreiben, von all diesen Vorurteilen distanzieren. Ich würde  positive Beispiele hervorbringen und ich würde seine Behauptungen, fundiert und unbestreitbar widerlegen, um nachzuweisen, dass es sich nur um Vorurteile ohne Wahrheitsgehalt, allenfalls um Ausnahmen handelt.  Ich würde den Hintergrund dieses Menschen ermitteln, betonen, dass die Bürgerbewegung, in der sich der Autor engagiert, vom Verfassungsschutz beobachtet wird, da Zweifel an deren Verfassungstreue bestünden, u.v.m. Ich würde alles tun, um dem mir missliebigen Text die Glaubwürdigkeit zu nehmen.

Ich würde alles andere tun, als ihn zu bestätigen! Also noch einmal Herr D., was haben Sie getan – außer die Vorwürfe zu belegen?

 

Ihre Aussage, dass die meisten Ausländer lediglich rational handelten, indem sie eben oft die Leistungen der Agentur für Arbeit in Anspruch nehmen, da sich das Arbeiten in Deutschland sonst nicht mehr lohne, zeugt von einer respektlosen Nehmer-Mentalität. Sicher, bei all den Steuern, Abgaben, Beiträgen und Gebühren bleibt einem am Ende des Monats kaum was übrig, wenn man sich in Deutschland nicht hochdotiert in die Akademikerschicht einreihen kann. Aber auf die Idee, sich weiterzubilden oder sogar politisch zu engagieren, kommt ein Ausländer, zumindest nach Ihrer Aussage, nicht und nimmt lieber die Abkürzung der staatlichen Unterstützung. Und diese Bauernschläue interpretieren Sie als Intelligenz?

Ihre überspitzte Formulierung, ein Deutscher hingegen, ehrlich und vaterlandstreu bei der Beantwortung des Hartz-IV-Antrages, ist, so scheint es, schlichtweg dumm, sogar ein Schaf, wenn er die Frage nach Trinkgeld wahrheitsgemäß beantworte.

Ihrem Beispiel folgend, sollte man mit der Einbürgerung auch nur den Anschein, integriert zu sein, erwecken. Den Wert einer Einbürgerungsurkunde sprechen Sie, unerfreulicherweise selbst Inhaber einer solchen, ab. Sicher, staatliche Formulare und ein offizieller Status bestimmen noch lange nicht die Denkweise und Lebensvorstellungen eines Menschen. Aber gerade deswegen ist es doch nachvollziehbar, wenn die Einbürgerung den Abschluss einer gelungenen Integration krönen und nicht zum Willkommensgruß degradiert werden soll. Vor einer abgeschlossenen Integration dient die Einbürgerung bzw. die doppelte Staatsbürgerschaft jedoch, entgegen der oftmals vertreten Meinung, nicht als Zeichen des Willkommenseins, sondern erübrigt die Anpassung.

Gleichzeitig frage ich mich, warum dann die von Ihnen beworbene BIG-Partei die doppelte Staatsbürgerschaft als eine ihrer Grundforderungen bezeichnet? Geht es auch hier, als logische Fortsetzung Ihrerseits beschriebener ausländischer Bauernschläue, nur noch darum, visafrei hier und da einzureisen? Nein, die Einbürgerungsurkunde ist weder ein wertloses Papier noch ein Symbol der großzügigen Aufnahmebereitschaft. Sie bringt, schlicht und einfach,  echte Vorteile:

  • Aktives und passives Wahlrecht  – und damit die politische Einflussnahme, Macht. Die Frage nach der Loyalität entscheidet sich dann zwischen dem Land des ständigen Aufenthalts und dem Herkunftsstaat nebst den hier ansässigen Landsleuten.
  • Freizügigkeit durch freie Wahl des Aufenthalts, des Wohnsitzes und des Arbeitsplatzes in Deutschland,  ebenso wie in allen anderen Ländern der Europäischen Union
  • Erleichterungen beim Familiennachzug und  bei der Einbürgerung naher Angehöriger
  • Zulassung zu jedem Beruf in Deutschland beispielsweise als Anwalt, Apotheker, Arzt oder Psychologe
  • Freier Zugang zum öffentlichen Dienst sowie die Möglichkeit, Beamter zu werden
  • Schutz vor Ausweisung bei Straftaten sowie Schutz vor Auslieferung aus Deutschland
  • Schutz im Ausland durch die deutsche Auslandsvertretung

Noch einmal zu BIG, dem Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit.  Es ist ein offenes Geheimnis, dass die BIG von der türkischen Regierungspartei AKP und  islamistischen Organisationen wie der von Fetullah-Gülen-Bewegung unterstützt wird. Einer deutschen Partei, die vor (fast) allem anderen, die gemeinsame ethnische bzw. religiöse Herkunft der Mitglieder zu präsentieren hat, kann keine Integration, also keine Eingliederung oder Anpassung in die deutsche Wertegesellschaft gelingen, noch weniger kann sie von ihr beabsichtigt sein: venire contra factum proprium! Das BIG-NRW Grundsatzprogramm zeigt das BIGsche Verständnis von Integration in eigenen Worten: „Die kurzsichtigen Forderungen nach uneingeschränkter Anpassung bei Aufgabe eigener Werte und Identitäten ist für BIG nicht akzeptabel.“ Ausgrenzende Interessenpolitik in Verbindung mit Anpassungsforderungen an die Mehrheitsgesellschaft scheint an dieser Stelle viel glaubwürdiger! Umso erfreulicher die aktuelle Sitzverteilung im Düsseldorfer Landtag.

Aber nicht nur das! Was möchten Sie, mit dem Hinweis auf den rollenden Ball türkisch-deutscher Geburtsstatistiken, aussagen? Welche unaufhaltbare Entwicklung sehen sie? Unterstützen  Sie etwa Thilo Sarrazin ´s These, Deutschland schaffe sich ab? Unterstützen sie als Türke die von Nationalsozialisten gepflegte Angst der feindlichen Übernahme durch eigenen Bevölkerungsschwund? Vielleicht möchten Sie an Tayyip Erdogans Aussage, dass man zu Zeiten der Osmanen kriegerisch nach Europa einwanderte, es heute jedoch einfachere und v.a. legale Wege gebe, erinnern? Ich fürchte ich will es nicht wissen.

Ein beleidige Maße erreichendes Unwissen werfen Sie nicht nur ihrem Gegenspieler vor. Ihre Aussagen belegen Gleichartiges. In der christlichen Religion glaubt man durchaus an ein Leben nach dem Tod. Das nicht zu wissen, ist, für einen Nicht-Christen nicht so arg. Aber indem Moment, in welchem sie dem Christentum zuschreiben, es lasse Misshandlungen von Kindern zu, überschreiten Sie die Grenzen des Respekts.

Ich möchte Sie, lediglich beispielhaft, auf einen Bericht des Tagesspiegels über die Aufdeckung eines Pädophilen-Ringes in der Türkei (hier) hinweisen. Warum? Nur, um Ihnen zu zeigen, dass es überall Kriminelle gibt,  und Pädophilie weder mit der Herkunft noch mit Status oder Religion zu tun hat.

Während Sie Detlef Alsbach Ausländerfeindlichkeit vorwerfen, kontern Sie mit einer unüberhörbaren Deutschenfeindlichkeit.

Integration bzw. der Wille zur Integration ist doch eine Frage des Respekts. In eine Gesellschaft, die ich nicht respektiere, weil sie im Gegensatz zu meinen innersten Überzeugungen steht, und von der ich für mich und meine Nachkommen Schaden befürchte, die ich mit einem Schaf vergleiche, kann ich mich nicht ernsthaft integrieren wollen. Noch weniger kann ich ihr gegenüber Loyalität bezeugen. Und Verfassungstreue? Nein, wirklich nicht!

Im Extremfall werde ich, wenn ich die Werte einer Gesellschaft verachte, versuchen, der Gesellschaft meine Werte aufzunötigen. Integrationsprogramme, Förderungen, finanzielle Unterstützung nehme ich dann, wenn ich ihre Ausbeute erkannt habe, lediglich in Anspruch, um meine eigenen Interessen, Interessenvertreter und Landsleute zu unterstützen – im Idealfall diene ich damit meinem Land. Die Frage nach der Loyalität gegenüber dem Land meines ständigen Aufenthalts erübrigt sich.

Wenn ich die Aufforderung zur Integration in meiner Blindheit als zwangsweise aufgedrückte Identitätsverleumdung auffasse, und dann behaupte, das Verhalten der „meisten Ausländer“ (hier wiederholt sich der Ausdruck, der zu Anfang Ihres Textes für die Gruppe der die Leistungen der Agentur für Arbeit oft in Anspruch nehmenden Migranten) seien „diesem Land gegenüber nur gerecht“ und ihr Verhalten sei  „immer begründet.“, dann darf ich mich über Herrn Alsbach nicht wundern!

 

 

Anmerkung – MAI 2014

Dieser Artikel wurde im Februar 2011 als Reaktion auf die gegenseitigen Briefe der o.g. Herren geschrieben. Heute, Mai 2014, also gut drei Jahre später, erreicht mich ein Schreiben des Herrn mit den türkischen Wurzeln, von nun an Herr D. Er bittet, um Löschung aller „personenbezogenen Daten und ebenso aller Einträge“ die unter seinem Namen veröffentlicht wurden. Selbstverständlich komme ich dieser Bitte um Anonymisierung nach, gleichwohl ich es an dieser Stelle nicht müsste. Ich habe nicht seinen Text veröffentlicht, sondern meine eigene Kritik an seinem Text.

Seine eigenen Kommentare auf meine Analyse wurde hier ebenfalls anonymisiert. Sein eigener Artikel, welcher ursprünglich auf achgut.de veröffentlicht worden war, existiert jedenfalls dort nicht mehr.

Es geht in diesem Blog aber auch nicht um den Fingerzeig auf Einzelpersonen, die offenbar nicht mehr ihre eigenen Worte lesen möchten. Es ist gleich, wie der eigentliche Name des Propagandisten lautet, entscheidend ist vielmehr, aus welcher bzw. für welche Gruppierung/Gemeinschaft etc. diese Person spricht. Diese Erkennbarkeit ist auch unter Weglassen des Namens, aus dem Kontext, hier gegeben.

Hinter dem Deckmantel der Integration

Der Integrationsrat ist die Interessenvertretung für Kölnerinnen und Kölner mit Migrationshintergrund. Am 7. Februar 2010, wird er nun nach fünf Jahren neu gewählt. Der Integrationsrat kann sich mit allen Angelegenheiten seiner Gemeinde befassen. Der Einsatz für Maßnahmen zur besseren Integration Kölner Bürger und Bürgerinnen mit Migrationshintergrund stellt dabei die Hauptaufgabe des Integrationsrates dar – zumindest sollte dies so sein.

Schaut man sich jedoch die Programme der einzelnen    „Quasi-Parteien“, also der Gruppen die sich in Listen zur Wahl stellen, genauer an, gerät man doch ins Staunen über Pläne und Forderungen so mancher.

Auffällig ist, dass die – nach der Integrationsstudie 2009 des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung – am schlechtesten integrierte Gemeinschaft aus Zuwanderern, am stärksten vertreten ist.

Und an dieser Stelle frage ich mich nach den Beweggründen.

Besteht in dieser Zuwanderergemeinschaft tatsächlich ein besonderes Integrationsinteresse?

Wo sind dann die im Alltag sichtbaren Integrationserfolge der vielen Integrationswilligen?

Basieren fehlende Integrationserfolge und erhebliche Integrationsprobleme in unserer Mitte tatsächlich auf Ignoranz und Erniedrigung durch die Mehrheitsgesellschaft?

Werden sämtliche Bemühungen eines integrationswilligen Zuwanderers einfach übersehen oder gar im Keim erstickt?

Sind sogar rassistische, grundrechtsverachtende  Hetzkampagnen gegen Teile der Bevölkerung in den Medien die Ursache vieler gesellschaftlicher Probleme? Denn gegen solche möchte sich z.B. die Liste Mevlana, nach den Worten ihrer Kandidatin bei der öffentlichen Vorstellung der Wahlprogramme, einsetzen.

Vielleicht handelt es sich bei den türkischstämmigen Kandidaten aus den verschiedenen Listen jedoch auch um besonders engagierte Mitbürger, die aufgrund eigener erfolgreicher Integration ihren Landsleuten als positives Beispiel vorangehen wollen? Ganz nach dem Motto: seht hierher – man kann es schaffen, wenn man nur will!

Selbst wenn das so sein sollte, lesen sich die einzelnen, bislang im Internet veröffentlichten Wahlprogramme nicht so.

Da gibt es zum einen die Liste der Demokraten in Köln mit Tayfun Keltek an der Spitze. Keltek, von Beruf Lehrer, bewertet beispielsweise die Forderung eines  Verbotes der Muttersprache auf dem Schulhof  als Ausübung negativen politischen Drucks. Das Verbot werde als  „Sprachmobbing“ und damit als Ablehnung der eigenen Person empfunden. Hingegen sei Mehrsprachigkeit ein Reichtum für alle und unser Schulsystem habe dies bedauerlicherweise nicht erkannt.

In diesem Zusammenhang wird von vielen Mehrsprachigkeits-Fürsprechern gern betont, dass mehrsprachig aufwachsende Kinder kognitive Vorteile aufweisen. Mehrsprachigkeit fördert tatsächlich ein verfeinertes Bewusstsein von Sprache und Text, schult differenziertes Denken, ist nicht nur psychologisch sondern auch kulturell wertvoll wie nützlich.

Die Vorteile einer mehrsprachigen Erziehung bestreitet mit Sicherheit niemand. Warum sonst, lernen wir Englisch, Französisch, Spanisch und gar Latein in unseren Schulen?

Auch hat jede Sprache angesichts fortschreitender Globalisierung unstreitig ihren eigenen Stellenwert in der heutigen Wirtschafts- und Finanzwelt.

Die Bedeutung von Mehrsprachigkeit wird jedoch in der Integrationsdebatte verzerrt.

Die mehrsprachige Erziehung von Kindern startet im Elternhaus. Eltern stehen in der Pflicht ihre Kinder nicht nur zu ernähren und großzuziehen. Sie stehen auch in der Pflicht, dafür zu sorgen, das ihre Kinder im Leben gut zurecht kommen. Hierzu ist selbstverständlich erforderlich, dass die Kinder die Sprache des Landes, in dem sie Leben, sprechen.

Es ist leichtgläubig, davon auszugehen, das dies nicht von jedem erkannt wird. Dieses Selbstverständnis dürfte m.E. jedem Zuwanderer, und gerade dem bildungsfernen Menschen, klar sein. Denn gerade der bildungsferne, kaum deutsch sprechende Zuwanderer erkennt in seinem, auch noch so einfach gestrickten, Alltag, dass er in der Außenwelt strenggenommen nur sehr schwer zurecht kommt.

Die einzige Oase befindet sich allenfalls in den sog. Migrantvierteln, die sich durch Einförmigkeit nicht durch „MultiKulti“ oder gar Internationalität auszeichnen. In Kölner Veedeln, die fast vollständig aus Zuwanderern eines gemeinsamen Herkunftsstaates stammen, kann man sich zurückziehen und sich für einen Moment lang daheim fühlen.

Man kann sich in manch einer Straße so heimatberechtigt fühlen, dass man gar die Konflikte der eigenen Heimat in Kölner Veedel hineinimportiert – oder sollte ich besser sagen hineinintegriert? Wie sonst soll ich mir das besondere Polizeiaufgebot auf der Keupstr. erklären, die so heißt es kaum vernehmbar in einen türkischen und einen kurdischen Gewerbeabschnitt „aufgeteilt“ sei, sobald es in Ost- und Südostanatolien zu Kampfhandlungen zwischen der türkischen Armee und den Kurden kommt.

Sofern die Eltern Ihrer Pflicht nicht gänzlich nachkommen können, stehen sie in der Verantwortung sich Unterstützung zu holen: Entweder man investiert Zeit und Geld und bildet sich selbst weiter, um dem Kind sodann selbst zu helfen. Oder man bezahlt einen Nachhilfe-Lehrer, der dem Kind zur Seite steht. Es ist gleich ob die Unterstützung staatlicher oder privater Natur ist und ausreichend Bildungsangebote gibt es bereits jetzt.

Auch ich bin als Kind eines sog. Gastarbeiters, dessen Deutschkenntnisse zwar vorhanden waren, nicht jedoch ausreichten, um bei Fragen zu Grammatik und Rechtschreibung zu helfen, aufgewachsen. Dafür waren dann meine Schullehrer da. Auch ich bin mehrsprachig aufgewachsen. Zu Hause wurden bei uns drei Sprachen auf einmal gesprochen. Die Eltern unterhielten sich untereinander auf türkisch – der Sprache des Landes, in dem sie seinerzeit aufwuchsen. Mit uns Kindern unterhielten sie sich, zur Pflege der eigenen Kultur und Identität auf armenisch – der Sprache ihrer Eltern und Vorfahren. Wir Kinder untereinander unterhielten uns ausschließlich auf deutsch. Raum für Identitätsängste gab es zu keiner Zeit.

Und sollten die Eltern uns nicht verstehen, man hat als Kind ja auch schon mal seine Geheimnisse, warfen wir uns Brocken auf Englisch zu. Hauptsache, der andere weiß, worum es ungefähr geht.

Meine Eltern, die selbst nur die Grundschule besucht hatten, setzten sich dafür ein, dass wir zurecht kamen und viel lernten – damit wir es einmal besser haben. Und das ist m.E. die entscheidende Motivation, die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder einbringen sollten.

Dem Staat jedoch das eigene Unvermögen zuzuschieben, weil dieser weder die Muttersprache fördere noch „bilinguale“ Schulen errichte, dient nicht der Integration, sondern arbeitet ihr entgegen. Hier wird, meist allein, dem Staat eine Schuld auferlegt, zu dessen Tilgung er nicht verpflichtet ist.

Art. 7 Abs. 1 GG normiert einen dem Staat erteilten Erziehungs- und Bildungsauftrag. Die in diesem Auftrag enthaltene grundrechtsbezogene Staatsaufgabendimension verpflichtet den Staat, d. h. nach Maßgabe der föderalen Kompetenzordnung (Art. 30, 70 ff. GG) Gesetzgeber und Verwaltung der Länder, durch Vorhalten öffentlicher Schulen und für diese entwickelte regulative Programme, ein funktionsfähiges Schulsystem zu gewährleisten.

Dass unser Schulsystem im internationalen Vergleich nicht immer erstklassig ist, ist allgemein bekannt. Aber hier ist nicht die „Integration“ Kern des Problems. Hier ist die Wertevermittlung an die nächste Generation misslungen.

Unserer Jugend (unabhängig ihrer Herkunft) sollten vorrangig durch das Elternhaus, und unterstützend durch die Schule, nicht nur alte Werte wie Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft vermehrt vermitteln werden. Moderne Werte wie Umweltbewusstsein und Toleranz gegenüber anderen Kulturen, Geschichtsbewusstsein, Achtung, Anerkennung, Mitgefühl, Empathie, Kompromissfähigkeit, Kritikfähigkeit und Konfliktfähigkeit, Respekt und Verantwortung müssen in der Erziehung neuer Generationen besondere Beachtung finden. Sobald dies gelingt, kann ein heranwachsendes Kind auch Selbstwertgefühl entwickeln, anstatt sich für Abwege herzugeben.

Seiner Aufgabe gegenüber Zuwanderern ist der Staat jedoch nachgekommen. Man denke an die vielfältigen Unterrichtsangebote, an  Alphabetisierungs- und  Deutsch-Kurse, Integrationskurse, usw.

Diese Kurse dienen dem Einzelnen dazu, das Leben in diesem Land bewältigen zu können. Diese Kurse unterstützen den Einzelnen bei der Kontaktaufnahme mit seinen Mitmenschen, bestehend aus Deutschen und Landsleuten sowie aus Zuwanderern anderer Heimatstaaten.

Die Argumentation des Tayfun Keltek, die Deutschpflicht, also die Pflicht in einer öffentlichen, staatlichen, Schule die offizielle Landessprache der Bundesrepublik Deutschland zu sprechen, käme einer Schikane gleich, grenze das Kind eines jeden Zuwanderers aus und ignoriere den Reichtum und die Chancen von Mehrsprachigkeit, entbehrt jeder sachlichen Grundlage.

Mehrsprachigkeit bedeutet, in einer integrationsdienlichen Auslegung, die Fähigkeit neben der deutschen Landessprache zusätzlich die eigene Muttersprache zu beherrschen – und im Idealfall gar noch weitere Sprachen. Mehrsprachigkeit, die lediglich nach Stärkung der eigenen Muttersprache ruft und sie zur absoluten Bedingung erhebt, verschleiert die eigentliche Motivation.

Meine Neugier erregt auch die Forderung der Gruppe DEIN Köln: Deutsch-türkische Schulklassen in Grund- und Mittelstufen.

Es mag sein, dass es sich bei der türkischen Bevölkerung um die größte Zuwanderergemeinschaft handelt.

Lediglich am Rande sei angemerkt, dass dieser Glaubenssatz seine Grundlage verlieren könnte, wenn man vorhandene Statistiken nicht nach dem Nationalpass, sondern nach der Ethnie bewerten könnte.

Bedingt durch die lange Besiedlungsgeschichte wie auch eine entsprechende Nationalitätenpolitik existiert in der Türkei ein ethnisch-religiöses Mosaik, welches sich in der türkischen Zuwanderergemeinschaft wiederspiegelt: Viele (noch) nicht eingebürgerte, Armenier, Pontier, Kurden, Yeziden, Tscherkessen, Aramäer und Georgier sind im Besitz eines türkischen Nationalpasses und gehen in der Statistik unbemerkt unter.

Und irre ich mich, wenn ich behaupte, dass es in Schulen auch Schüler anderer Nationalitäten gibt? Was machen wir in einer deutsch-türkischen Schulklasse mit dem Kind eines Senegalesen? Schicken wir es in eine andere Schulklasse? Oder gar in eine andere Schule? Grenzen wir es also, der Integration zuliebe, aus??

Befassen wir uns mit nun mit der begehrten Forderung nach Religionsfreiheit.

Die GOL Grüne offene Liste Migration setzt sich dafür ein, dass alle Angehörigen der christlichen, jüdischen, muslimischen, alevitischen, hinduistischen, buddhistischen Glaubensrichtungen, der Sikhs, der Bahai und der anderen, ihre Religion in Köln gleichberechtigt ausüben können.

Auch die Gruppe DEIN Köln  fordert, dass Angehörige aller und keiner Glaubensrichtungen müssen ihre Religion in Köln gleichberechtigt ausüben können.

DOM in Köln (demokratisch orientierte Migranten in Köln) will engagiert und konsequent, mit den politischen Mitteln die zur Verfügung stehen, gegen jegliche Art der Dämonisierung gegenüber Andersgläubigen vorgehen.

Die in Art. 4 Abs. 1 GG verankerte Freiheit des Glaubens und des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses und das in Abs. 2 angesprochene Recht der ungestörten Religionsausübung bilden ein einheitliches Grundrecht mit einheitlichem Schutzbereich.

Der Begriff der Religion meint dabei eine Gesamtsicht der Welt, bei der es um die Stellung des Menschen in der Welt, seine Herkunft, sein Ziel und seine Beziehung zu höheren Mächten und tiefern Seinsschichten geht und aus der Folgerungen für die Gestaltung des Lebens gezogen werden.

Hieraus folgere ich, dass die Religionen der christlichen, jüdischen, muslimischen, alevitischen, hinduistischen, buddhistischen Glaubensgemeinschaften, die der Sikhs, der Bahai und der anderen den Schutz des Art. 4 GG genießen.

Die Betätigung in Form des Gebetes und der Missionierung sind ebenso geschützt, wie das Schweigen über die entsprechende Überzeugung oder gar das Nichthaben einer religiösen Überzeugung. Geschützt ist damit das Recht des Einzelnen, sein ganzes Verhalten an den Lehren seines eigenen Glaubens auszurichten und seiner  eigenen inneren Überzeugung gemäß zu handeln.

Geschützt ist auch der Bau eines entsprechenden Gebetshauses, unabhängig davon ob es sich um Kirche, Synagoge, Tempel oder Moschee handelt. Bauanträge werden, sofern bauordnungsrechtlich unbedenklich, genehmigt. Im Falle einer Ablehnung steht immer noch der Verwaltungsrechtsweg offen.

Auch ist mir kein Gesetz des Bundes, der Länder oder der Kommunen bekannt, welches die grundrechtlich geschützte Religionsfreiheit verbietet oder gar nur beschränkt.

Nun frage ich mich, wieso wird hier die Forderung – gerade im Wahlkampf für den neuen Integrationsrat – gestellt?

Eine hohe Anzahl an Minaretten, Synagogen und Kirchtürmen ist kein Zeichen für eine besonders gelungene Integration, allenfalls für einen Rechtsstaat, der der Glaubensfreiheit eine besondere Bedeutung zumisst. Der Versuch ein entsprechendes Stadtbild in der Integrationsdebatte zu idealisieren, schlägt fehl.

Die Zahl der Gebetshäuser sagt nichts aus über den Grad der Integration seiner Mitglieder und Besucher.

Auch kann der einzelne Gläubige Christ, Jude, Alevit, Bahai, Buddhist oder Moslem kaum ernsthaft die Existenz seiner Gebetshäuser in Abhängigkeit zu seiner Integrationsbereitschaft setzen wollen.

Denn dann würden die zu integrierenden Minderheiten der Mehrheitsgesellschaft Bedingungen auferlegen und damit den Unwillen zur Integration in die IST-Gesellschaft des Grundgesetzes bekannt geben.

Es stellt sich wieder die Frage, warum einige Listengruppierungen sich mit solchen Forderungen zur Wahl stellen? Weil es populär ist? Weil (fast) alle es tun oder weil sie eine religiös gefärbte Interessenpolitik durchsetzen möchten?

Obacht: Die eigenen Leute in die einzelnen Gremien reinbringen, damit diese – unter dem Deckmantel der Integration – so viel wie möglich für die eigene Sache rausholen, ist in diesem Fall integrationsfeindlich und dient nicht dem Miteinander.

Schauen wir in den Bereich: Arbeit & Beruf

Die Grüne offene Liste Migration GOL spricht sich nicht bloß für die Interkulturelle Öffnung der Verwaltung und der sozialen Dienste aus, sie fordert mehr Mitarbeiter bei der Stadt Köln mit Migrationshintergrund. Somit werde einerseits das Verständnisproblem aus der Welt geschafft und vor allem die Probleme der Migranten würden erkannt werden.

Fragen wir uns, welche zu erkennenden Probleme ein (noch) nichtintegrierter Zuwanderer im Kontakt mit der Verwaltung hat?

Zunächst einmal das Sprachproblem. Aber welche Sprache fehlt denn nun wem? Fehlen dem zuständigen Sachbearbeiter Sprachkenntnisse der Sprache seines Kunden? Dann ist, gemäß an der Vielzahl der in Köln lebenden Sprachgruppen, ein Bedarf an Sachbearbeitern mit Migrationshintergrund festzustellen – respektive ein Bedarf an städtischen Mitarbeitern, die mehrere Sprachen beherrschen – unabhängig ihrer Herkunft.

Oder fehlen dem zugewanderten Kunden die Deutschkenntnisse? Wer hat sich einzufügen oder anzupassen? Und an dieser Stelle sei noch mal daran erinnert: Die Anpassung des Zugewanderten an die Mehrheitsgesellschaft bringt VORTEILE mit sich. Er kommt nun endlich in seiner multinationalen Umwelt zurecht und kann sich artikulieren. Ein nicht zu verschmähender Vorteil den die Menschheit gegenüber Flora und Fauna vorweisen kann.

Welche zu erkennenden Probleme hätten wir denn da noch? Mir fallen keine ein, deren Ursprung mit GG und europäischer Werteordnung d ´accord gehen.

Die Forderung demokratisch orientierter Migranten in Köln (DOM in Köln) geht in eine ähnliche Richtung: Dass unsere Jugend mehr Ausbildungsplätze braucht, ist bekannt. Aber warum ruft DOM in Köln in ihrem Programm nur nach Ausbildungsplätzen für Jugendliche mit Migrationshintergrund?

Mich persönlich würde es kränken, wenn ich eine Anstellung bekäme, die sich einzig und allein mit meiner Ethnie begründet.  Wer möchte denn lediglich der Quote wegen eingestellt werden? Nein, derjenige, der sich mit Sprach- und Fachwissen, und zu gegebenem Zeitpunkt  auch mit Berufserfahrung, um eine Stelle bewirbt, der bekommt diesen tatsächlich auch. Auch heute. Auch Zuwanderer.

Nun, im Ergebnis lässt sich nur ein Problem erkennen:

Wir haben noch viel Integrationsarbeit zu leisten, anspruchsvoll und kritisch.

%d Bloggern gefällt das: