Fremde Federn

Hier erscheinen in Zukunft die Texte Dritter.

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Den Anfang macht ein Mitstreiter aus der Schweiz – Ohannes Targanyan

„Wir sind wie die Zweige des Aprikosenbaumes: eine gemeinsame Wurzel aber in alle Himmelsrichtungen verstreut und auf der ganzen Welt verbreitet. Lasst uns die gleichen Worte in allen Sprachen aussprechen, so dass uns all verstehen können.“

Die Erinnerung

Lasst uns der Welt verkünden

was unserem Volk widerfahren ist

vor fast einem Jahrhundert.

Die Erinnerungen sind unauslöschlich.

Unschuldige Opfer wurden gezwungen zu sterben,

stolze Männer auf Todesmärsche geschickt,

wunderbare Frauen vergewaltigt und getötet,

lächelnde Kinder verhungerten.

Flüsse rot und voller Blut,

überall pflastern Leichen die Strassen.

In Licht verwandelt

bleiben sie als Erinnerung erhalten.

Ihre schrecklichen Schmerzen und Schreie

sind sichtbar in jedem armenischen Auge.

Weil wir können nicht vergessen

und werden uns immer an sie erinnern

die unschuldigen Opfer

und unsterblichen Seelen.

_

Die wenigen Überlebenden, die fliehen konnten

und in die weite Fremde zogen,

waren die Kronzeugen menschlichen Elends.

Leider hatte man sie nicht ernst genommen,

um weitere Verbrechen zu verhindern.

Trotzdem begannen sie ein neues leben.

Der seelische Schmerz,

der immer noch in unseren Adern fliesst,

hat das Bewusstsein einer ganzen Nation verändert,

unsere Literatur und Musik beeinflusst.

Er zog einen dunklen Schatten auf unsere Gesichter und Herzen,

doch ihre Lebensfreude war nicht gebrochen.

Wir Armenier haben niemals unseren Glauben verloren.

Das Beste daraus machen.

Wir sind ständig auf der Suche,

um das Leben von der Sonnenseite zu betrachten

Weil wir können nicht vergessen

und werden uns immer an sie erinnern

die unschuldigen Opfer

und unsterblichen Seelen.

_

Wir sind eine Nation von Überlebenden.

Die Nachfahren einer alten Kultur,

die ständig kämpfen, um zu überleben.

Während vieler Jahrhunderte versuchten

verschiedene Mächte uns zu teilen und zu vertreiben.

Aber sie scheiterten immer daran.

Selbst in den schwersten Zeiten haben wir niemals aufgegeben.

Sie fuhren fort, unsere Geschichte zu fälschen,

nahmen unser Land,

töteten unsere unschuldigen Seelen,

leugneten ihre Beteiligung am Genozid.

Aber unsere Hoffnung bleibt bestehen.

Auf das eines Tages das Licht der Gerechtigkeit

über das Böse triumphieren wird.

Denn wir können es beweisen und werden

ihnen den Spiegel der Wahrheit vor Augen führen.

Wir sind nicht müde, gegen die historische

Eitelkeit der Lügen anzukämpfen.

Wir Armenier sind ein nobles

und sensibilisiertes Volk.

Das Leiden anderer Völker bedrückt uns sehr

und erinnert uns stark an unsere eigenen Schmerzen.

Weil wir können nicht vergessen

und werden uns immer an sie erinnern

die unschuldigen Opfer

und unsterblichen Seelen.

Erklärung des Autors:
Dieses Gedicht ist für all die unschuldigen und unvergessenen Seelen des ersten Genozids des 20. Jahrhunderts. Im Osmanischen Reich, in einer Zeit, in der die meisten Menschen blind den Befehlen der fanatischen Despoten folgten, haben einige Mutige ihr ganzes Leben dafür eingesetzt, die Unschuldigen zu schützen und zu retten.
Ich möchte meinen grössten Respekt und die Bewunderung für diese mutigen Menschen, die die leidende Bevölkerung in ihrer unglaublichen Not nicht im Stich gelassen haben, zum Ausdruck bringen. Weder ihre Namen sind in den offiziellen Geschichtsbüchern aufgeführt, noch ihre selbstlosen Aktionen. In Memoriam an die unschuldigen Opfer und die tapferen Helden, die Tausenden von Menschen ihr Leben gerettet haben: Dr. Armin T. Wegner, Jakob Künzler, Dr. Johannes Lepsius, Dr. Thomas Mann, Alma Johansson, Tacy Atkinson, Ernst Jakob von Christoffel, Karen Jeppe, Dr. Raphael Lemkin, Beatrice Rohner, Martin Niepage, Dr. Henry Morgenthau, Harry Stürmer, Walter Rössler, Leslie A. Davis und viele, viele andere, deren Namen wir nicht kennen. Deshalb lasst uns alle an die grossartigen Menschen erinnern und sie mit Respekt ehren. Ich verneige mich und harre in stillen Gedanken.
Ohannes Targanyan – Copyright by Ohannes Targanyan Kreuzlingen (Switzerland), 25th June 2014

 

Dem Autor ist es ein Anliegen, mit seinem Gedicht das Bewusstsein der Menschen für die schrecklichen Ereignisse von damals zu schärfen und ihnen aufzuzeigen, wie wichtig es ist, solche Verbrechen zu verhindern. Dazu gehört auch, diejenigen Verbrechen, die nicht verhindert wurden, öffentlich zu verurteilen. Wer den Autor kontaktieren möchte, hat unter ohannestarganyan@yahoo.com die Möglichkeit dazu.

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