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Über Titel, Motivation und Intention dieses Blogs

Sayat Nova (1722 – 1795) war ein bedeutender armenischer Sänger, Dichter, Geistlicher und Komponist. Obwohl er alles in allem mehrere tausend Lieder geschrieben haben soll, sind lediglich etwas über 200 Texte, die Sayat Nova zugeschrieben werden, überliefert worden und sie werden bis heute immer wieder gern gesungen und aufgeführt.

Die Verfilmung seines Lebens erfolgte durch den Regisseur und Drehbuchautor Sergei Paradžanov, 1968, in „Die Farbe des Granatapfels“. Das 18. Jahrhundert, die Traditionen, Mythen und religiösen Riten aus jener Zeit in Verbindung mit den Gedichten Sayat Novas ergeben eine bunte Beschreibung des Dichters und seines Volkes.

Tatsächlich sind die Werke und das Leben Sayat Novas Reflexionen armenischer Identität, welche in dem christlichen Glauben tief verwurzelt ist. Armenien übernahm das Christentum im Jahre 301 und blickt damit auf eine lange, vor allem im Mittelalter blühende, christliche Tradition zurück. Für die islamisch geprägten Nachbarstaaten war das Land damit über Jahrhunderte ein leichtes, beständiges Ziel. Die christliche Weltanschauung, allem voran das Bild des leidenden Jesu und der dem Leiden folgenden Erlösung, wurden gewissermaßen verschärft durch den an den Armeniern begangenen Völkermord zu Beginn des letzten Jahrhunderts und mit der bis heute am Leben erhaltenen Erinnerung an diesen. Diese Aspekte bilden den Kern armenischer Identität.


Vom Film zu diesem Blog

In der armenisch – christlichen Mythologie ist der Granatapfel seit jeher ein wichtiges Symbol. Die den heiligen Christus bei seiner Kreuzigung krönenden Dornen beispielsweise waren die des Granatapfelbaumes. Darüber hinaus steht der Granatapfel v.a. für Fruchtbarkeit und dem damit verbundenen Wohlergehen. Es heißt, dass eine ausgereifte Frucht über 365 Kerne verfügt, eine für jeden Tag des Jahres. Bis heute schenkt man einander zur Silvesternacht einen Granatapfel und wünscht ein fruchtbares Jahr voll Glück.

In Anlehnung an diese Mythologie zeigt  der Film in seiner ersten Einstellung Dornen, durchwachsen mit Granatapfelkernen, deren Saft ein weißes Tuch trüben. Ein tiefes Blutrot durchdringt den Stoff und nimmt die Gestalt des alten armenischen Reiches an. Auf dem Tuch befindet sich ein Dolch und eine Stimme trägt ein Gedicht des bedeutenden Geistlichen Sayat Nova vor: „Ich bin ein Mann, dessen Seele gepeinigt wurde.“ Der Künstler zeigt, dass das Blutvergießen Christi untrennbar verbunden ist mit dem Schicksal des armenischen Volkes.

Eine besondere, wenn auch persönliche, Bedeutung des Granatapfels findet sich auch in „Ararat“, dem kanadisch-armenischen Filmdrama des Regisseurs Atom Egoyan über den totgeschwiegenen Genozid, dessen Gedenken und Verleugnen. Hierin verarbeitet der armenische Regisseur Edward Saroyan (gespielt von Charles Aznavour) das Schicksal seines Volkes in einem Film. In einer sehr wichtigen Szene des Filmes, beschreibt dieser, dass seine Mutter jeden Tag nur einen einzigen Kern der heimlich mitgenommenen Frucht aß, und nur durch den gehaltvollen Nektar den für viele im Tod endenden Marsch in die syrische Wüste überlebte.

Mir persönlich gefällt  die Symbolik dieser Frucht. Sie hat tatsächlich etwas Beeindruckendes, so dass ich mich zu diesem Titel für meinen Blog entschied.

Ein weiterer Aspekt, der mich in dem Film „Die Farbe des Granatapfels“ ergriff, ist mit folgender Szene zu beschreiben: Ein Priester gibt dem Kind Sayat Nova Bücher zu lesen und offenbart ihm, dass die Welt, ohne das geschriebene Wort nichts wert sei, dass alles Wertvolle in Unwissenheit verloren geht, wenn man es nicht festhalte.

Mit diesem Blog möchte ich mich, ganz im Sinne des o.g. Priesters, stark machen gegen das Vergessen. Als Nachkomme eines Überlebenden des Völkermordes trage ich, wie viele meiner armenischen Zeitgenossen, die Verantwortung für die Zukunft. Die Erinnerung meiner Großeltern ist an die nächste Generation weiterzugeben, an die nächste Generation der Armenier genauso wie an alle anderen Gemeinschaften.

Die Aufgabe der heute lebenden Armenier geht jedoch über die Erinnerung an sich hinaus. Es ist unsere Aufgabe, Kultur und Religion, Gebräuche und Sprache, Feste und Traditionen zu pflegen. Die Geschichte, die aus weit mehr als der Erinnerung an den Völkermord besteht, und durchaus auch positive Momente aufweist, zu kennen.

Armenische Themen schaffen es in der Regel kaum in die deutschsprachige Medienwelt. Ein gewaltiges Erdbeben Ende 1988, der mediale Anfang des Konflikts um die Region Berg-Karabach 1987, hier und da der 24.April. Zu den neueren Nachrichten gehörten im auslaufenden Jahr die Verhandlungen zur Öffnung der Grenze zwischen der Türkei und Armenien, doch auch diese sind alles andere als aktuell und damit nicht mehr präsent.

Mit www.diefarbedesgranatapfels.wordpress.com möchte ich „meine“ Nachrichten im deutschsprachigem Raum veröffentlichen. Dinge, die mir auffallen und wichtig sind. Dinge, die sonst vielleicht nur in einem Nebensatz Erwähnung finden, möchte ich versuchen zu beleuchten; mal die typisch armenische Sichtweise darlegen, mal meine ganz persönliche. Aber auch innerdeutschen  und  nicht national begrenzte Themen möchte ich meine Aufmerksamkeit widmen.

Last but not least möchte ich zur Diskussion anregen und freue mich über Stellungnahmen, Kritiken und Anmerkungen meiner Leser.

In diesem Sinne  ….. .

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6 Kommentare


  1. https://polldaddy.com/js/rating/rating.jsIch bin begeistert von Armenien und seinen Leuten und freue mich dass ich diesen Blog gefunden habe.
    heiDE

    Antwort

  2. https://polldaddy.com/js/rating/rating.jsIch habe durch Zufall diesen Blog gefunden- und da ich mich seit Wochen mit dem Land Armenien beschäftige und auch einiges zu diesem Thema auf meinem Blog geschrieben habe, bin ich der Meinung, dass ich dieses wunderschöne Land mit seiner Kultur und den Menschen ein bisschen in meiner Umgebung bekannt machen möchte.
    Ich werden weiter auf deinem Blog lesen, liebe Jaklin
    Gruß zu dir
    heiDE

    Antwort

  3. https://polldaddy.com/js/rating/rating.jsLiebe Jaklin, durch Zufall bin ich auf deinen Blog gekommen, dass freut mich besonders, denn ich bin seit einigen Wochen auf meinem Blog mit dem Thema Armenien< unterwegs, denn mich interessiert dieses wunderschöne Land mit den Leuten und der Kultur und dem Christentum sehr. Mein kleiner Beitrag zu dem Armenienthema kommt glaube ich bei meinen Lesern gut an,- ich bin deiner Meinung -viel zu wenig kommt bei uns durch die Medien an. Deshalb stelle ich immer wieder ein Thema vor, vielleicht hast du Lust mal bei mir zu lesen. Ich freue mich wenn du mir schreibst.
    Gruß zu dir
    heiDE

    Antwort
  4. ein Leser

     /  30. April 2013

    Sehr geehrte Autorin,

    Danke für diesen Blog, Granatäpfel schmecken nirgends besser als in Armenien!

    Antwort
  5. Deschi

     /  24. Oktober 2012

    Ich habe gestern zum ersten mal Sergei Paradžanov Film gesehen und ich war von der visuellen Wucht und der Atmosphäre begeistert. Natürlich habe ich sicher nur die wenigsten Anspielungen und Querverweise wirklich erkennen können. Gerne würde ich deswegen etwas tiefer in die lyrische Welt von Sayat Nova eindringen. Gibt es gute Übersetzungen ins Deutsche seiner Werke?

    Antwort

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