Deutschland und seine unsichtbaren Mitstreiter 

In Deutschland lebende Armenier aus der Türkei, und damit eine Gruppe der orientalischen Christen, haben es in der gesellschaftspolitischen Debatte Deutschlands besonders schwer. 
Einerseits werden sie von türkischer (nationalistischer/islamistischer) Seite, verleumdet. 

So gehört es, neben der allgemeinen Rechtfertigung und Leugnung des Genozides, zu dortigem Standardrepertoire, die PKK zu einer armenischen Organisation von Ungläubigen zu erklären oder zu behaupten, Armenier hätten 1915 die Kurden und Türken massakriert, sie seien damals wie heute turko- oder gar islamophob, illoyal, unversöhnlich oder rassistisch. 

Bis vor einigen Jahren kamen diese von der Türkei staatlich finanzierten und geschulten Rassisten mit diesen Behauptungen in Deutschland sehr einfach durch, gerade auch in den Parteien. 
Heute ist zwar, spätestens seit dem 100. Gedenken an den Armenozid die Völkermordleugnung nicht ganz so leicht zu verkaufen, doch auch heute wird solchen Rassisten die Teilnahme an der Debatte und die Möglichkeit des Mitgestaltens im Übrigen bereitwillig erlaubt. 
Türkisch-Islamische Verbände werden von der Politik hofiert, zum Integrationspartner erklärt, ihre Funktionäre sitzen in Talkshows, ihr faschistischer Nationalismus wird zur Kultur erklärt, ihr Islamismus unter das Dach des Art. 4 GG gestellt, etc etc.  
Von deutscher Seite schenkt die Politik den Armeniern, als orientalische Christen, außerhalb des 24. April, zu wenig Aufmerksamkeit, u.a. aufgrund der Tatsache, nicht nur dem Namen nach eine Minderheit zu sein. 

Als Deutsch-Armenierin spreche ich hier zwar nur für diese, meine, Gruppe, doch werden mir meine aramäischen, rum-orthoxen, griechischen Mitchristen an dieser Stelle zustimmen. 
Die evangelische und katholische Kirche nähert sich den orthodoxen Armeniern resp. Christen ebenso wenig. Sie führen zwar mit den Armeniern hier und da einen Dialog. Dieser geht jedoch selten über ein gemeinsames Kennenlernen oder schöngeistige Veranstaltungen hinaus. Kooperationen zu kritischen Themen werden entweder vermieden oder aber man wird zur Kooperation und gemeinsamen Veranstaltung mit faschistischen Verbänden wie der DITIB eingeladen, unter der Bedingung, sich gefällig zu verhalten und damit nicht kritisch zu äußern, der vordergründigen, scheinheiligen Versöhnungsshow die Stimmung nicht zu verderben. 

Schließlich ignorieren auch die Medien regelmäßig die Gruppe der Christen aus islamischen Staaten. Dabei hätte man, in der orientalischen Orthodoxie Deutschlands die verschiedensten Akteure vorzuweisen. 
Statt auf das Wissen und die Erfahrung jener zurückzugreifen, die selbst, ohne muslimisch zu sein, aus muslimischen Staaten stammen, und nicht nur vieles zu erzählen haben, sondern gar nützliches zur Debatte beitragen und mitgestalten können, gerade auch, weil sie grundsätzlich eine erfolgreiche, persönliche Integrationsgeschichte vorweisen können, werden orientalische Christen gesellschaftspolitisch zu Unrecht ignoriert. 

Was bringt aber das Dialogisieren mit Menschen aus der Fremde (Deutschland-Orient), ohne den ehrlichen Dialog mit den unmittelbaren Nachbaren (Orient-Orient) miteinzubeziehen ? 

Man sieht es in jeder Veranstaltung zur, nennen wir es „Förderung des Friedens unter den Menschen“: Viel warme Luft, keine nachhaltigen Ergebnisse.  
Unsere Leidensgeschichten und Forderungen scheinen nicht in das Schema des Schönredens und des Vertuschens zu passen, unsere klaren Aussagen scheinen zu ungemütlich zu sein. Unser Mut macht Angst, hält betreffenden Akteuren entweder den Spiegel vor’s Gesicht oder nötigt diese mittelbar zu konsequentem Handeln. 

Ich wünschte Deutschland würde sich seiner und unserer Gestaltungskraft bewusst werden, statt weiterhin auf die falschen Pferde zu setzen. 
In Zeiten der sog. Flüchtlingskrise ist die Integration der großen Anzahl muslimischer Flüchtlinge die größte Herausforderung dieser Gesellschaft. 

Ein „Wir schaffen das“ braucht die orientalischen Christen, nicht zweifelhafte muslimische Verbände.

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