Migration & Deutsche Waffenbrüderschaft 

Der Kölner Integrationsrat tagte heute nach einer Führung im DOMID, dem Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V., in Ehrenfeld. 

Da auch ich Nachkomme eines sog. Gastarbeiters bin, war ich neugierig auf die Sammlung des Dokumentationszentrums, welches endlich ein Museum werden will. 

Der geübte Leser erkennt bereits hier meine Enttäuschung. Während ich Migrationsgeschichte aus einer neuen Perspektive erfahren wollte, sah ich eine abgepackte Sammlung von Gegenständen, denen ich nicht wirklich Wert beimessen konnte. 

Ausgestellte ausländische Pässe, ein deutscher Reiseausweis für Flüchtlinge, Thermoskannen, Löffel, archivierte ausländische Zeitungen, sortiert und aufbewahrt in säurefreien Kisten. Gegenstände, die die ersten Migranten bei Einreise mit nach Deutschland gebracht haben (Koffer, Kacheln, Töpfe) und mit denen sie sich beschäftigt haben (Radios, Stifte). 

Während ich mich verwirrt fragte, ob nur die Migranten und nicht auch die Deutschen der 60er/70er/80er Jahre diese alltäglichen Gebrauchsgegenstände benutzen, und mir dabei selbst nicht traute, so einem Gedankengang, der die deutsche Bevölkerung in einem außerirdischen Licht erscheinen ließ, zu folgen, wurde uns erzählt, dass Migranten auch einen enormen, bereichernden Einfluss auf die deutsche Gesellschaft gehabt hätten. 

Wie selbstverständlich sprach man nur und ausschließlich von türkischen Migranten, die als erste auf Deutsch – „ihrer Sprache“ – „rappten“, während es für Deutsche modern gewesen sei, Liedtexte auf Englisch herunter zu reden, und man schwärmte von türkischen Schlagersängern in Deutschland, die in türkischer Sprache ihre Sehnsüchte besangen. Zwei Sätze waren für die überqualifizierte koreanische Krankenschwester reserviert, die mangels anerkannter Ausbildung nur als Pflegekraft arbeiten durfte. 

Nicht fehlen durfte der Hinweis auf Frau Liselotte Funcke, die Mutter aller Türken und erste Integrationsbeauftagte der BRD, die sich über die Ignoranz Helmut Kohls in Sachen Migrant beschwert habe. 

An den Wänden Generationen von Erfolgsgeschichten: 1. Generation, Großvater, Fabrikarbeiter, 2. Generation, Sohn, Busfahrer, 3. Generation, Enkel, Wirtschaftsstudent. 
Integrationsprobleme waren nicht sichtbar. An keiner einzigen Stelle dokumentiert. Geradezu manipulativ. 

Es passte ins Bild, dass dieser Integrationsrat, und im Besonderen sein Vorsitzender, präsentiert: Es gibt keinen Migranten, der die Integration verweigert. Das ist eine populistische, deutsche Behauptung. Die Menschen wollen sich selbstverständlich integrieren, werden aber regelmäßig diskriminiert. 

Eine besondere migrantische Bereicherung sei das Picknick gewesen. So so. In meiner Kindheit picknickten Deutsche auf der Decke neben uns, und auch die anwesenden deutschen Kollegen bestätigten, diesen vermeintlichen arme-Leute-Zeitvertreib.

Als ich nun immer mehr dachte, neben mir müsste nun die „Versteckte Kamera“ sich eines integrativen Scherzes outen, wandelte sich mein Unglauben in Entsetzen, Enttäuschung. Die Türkeilastigkeit störte mich zwar, aber die Präsentation kam an einen anderen sehr schmerzhaften Punkt, für mich, als Tochter eines armenischen Gastarbeiters aus der Türkei. 

Gezeigt wurde ein umrahmt an der Wand hängender Zeitungsausschnitt mit der Schlagzeile „Mohammedaner beten im Dom“. Der Geschäftsführer (ein Historiker!) des Zentrums teilte uns nun mit, dass diese Geste, ein islamisches Gebet im Kölner Dom, als Aufwertung für die türkischen Gastarbeiter gedacht gewesen sei. Grundsätzlich habe man damals nicht von den Muslimen, sondern von den Türken gesprochen, anders als heute. Heute würden Muslime in ein schlechtes Licht gerückt werden. Damals aber seien die Italiener jene gewesen, über die man sich beim Aufschlagen einer Zeitung geärgert habe. Hingegen habe man die Türken immer schon geschätzt, gerne habe man sich damals an die alte Waffenbrüderschaft und den gemeinsamen Kampf im ersten Weltkrieg erinnert. 

Ja. Genau an dieser Stelle stieg eine schmerzende Wut und Trauer in mir auf! Mein Zwischenruf „ja, Waffenbrüderschaft auch im Genozid!“ vernahmen offensichtlich nur wenige, und diese ignorierten meine Worte. Wer wollte schon die nette Stimmung vermiesen? 

Mir kam das Kotzen (ein Satz, zu dem ich mich gewöhnlich nicht hinreißen lasse). 

In Anwesenheit meiner Person, in der Eigenschaft als Nachkomme eines Opfers des Armenozides von 1915, war ich umgeben von Kollegen mit teilweise ausgeprägt türkisch-nationalistischen, islamistischen Einstellungen und Überzeugungen und es wurde nun freudig von der deutschen Waffenbrüderschaft berichtet, die meiner Famile das Leben kostete. 

Das Stolz und Freude auslösende Ereignis, die im Kölner Dom gefeierte und hier Freude und Stolz auslösende deutsch-türkische Brüderschaft (!) und die dazugehörige Leugnungspolitik war nicht zu durchdringen. Auch nicht durch die Armenierin, die große Verluste genau durch diese Kooperation und diesen Völkermord zu verzeichnen hat. 

Welch Hohn! 

Dass dieser Rassismus bei türkischen Nationalisten und Islamisten bis heute Menschenleben bedroht, und wieder auch armenisches Leben bedroht, dass einiger dieser Kollegen Hasskommentare gegen die Armenierin in ihrem Kreis in sozialen Netzwerken anheizen …. daran will keiner denken. Derjenige der daran erinnert, ist der Störer. Unversöhnlich. Am Ende ist die Armenierin turkophob. Sie ist der Rassist. Nicht der nette Graue Wolf, der jedesmal so freundlich grüßt und sich stets ehrenamtlich engagiert. 

Der Rassismus, der von Migrantenseite ausgeht, ist Teil der deutschen Migrationsgeschichte. Nicht nur das DOMID Köln, sondern die deutsche Gesellschaft, und im Besonderen die Politik, hat dies nicht nur endlich zu erkennen, sondern sich auch hier gegenzustellen.

Der türkische Rechtsextremismus ist eine immer grösser werdende Gefahr auf europäischem Boden. Damit ist es UNSER Problem! Es ist kein türkisch-kurdischer und kein türkisch-armenischer Konflikt. Es ist ethnisch motivierter Rassismus und geht alle etwas an!
   
    
 

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6 Kommentare

  1. Welch eine nichtssagende Ausstellung, die just im Nichtgesagten das zwingend zu Sagende verschweigt – auf penetrante, ja tümelnde Art und Weise.
    Und ein guter Artikel.

    Ich störe mich nur an dieser einen Aussage des Artikels: „Der türkische Rechtsextremismus ist eine immer grösser werdende Gefahr auf europäischem Boden“.
    Nein, Rechte werden sowas von überschätzt. Wo sind diese Rechten real, außer ein paar übrigen grauen Wölfen und ein paar übrigen deutschen Provinzlern?
    Hingegen die sich nationalistisch gerierende, auftrumpfende, alle säkularen Errungenschaften vernichtende offizielltürkische Islambarbarei ist eine der größten Gefahren auf europäischem Boden.

    Antwort
    • Ihre Kritik nehme ich gerne an und stimme zu. Auch der Islamismus, und gerade von türkischer Seite, sind nicht zu unterschätzen.

      Nur eines: Graue Wölfe sind aber, gerade mit Blick auf Parteien, gesellschaftliche Ehrenämter, Hilfs- und Wohlfahrtsorganisationen überall zu finden, hinzu kommen aktive Schlägertrupps und „Jugendlichen“. Sie sind aber, anders als die letztgenannte Sparte, durchaus in das Leben der Mehrheitsgesellschaft integriert und arbeiten daran, eigene Interessen durchzusetzen. Geschickt und mit viel Vitamin B und der finanziellen Unterstützung aus der Türkei.
      Darüber hinaus verstehen sich diese Leute durchaus auch als Vertreter des Islams, nicht nur des Türkentums.

      Antwort
    • Ja-.

      Wir werden diese Grauen Wölfe innerhalb dieser Hilfs- und Wohlfahrtsorganisationen und der Vitamin-B-Gruppen gesehen?
      Werden die überhaupt als Ex-Immernoch-Faschos und Neo-Gerne-Islamizisten gesehen?, oder zieht man es dort vor, sie hmähm als Vertreter freundlicher wenngleich arg benachteiligter Moscheengemeinden zu sehen?

      Antwort
      • Man zieht es vor, das Theater mitzuspielen. Keiner traut sich, die Stimmung mit Kritik zu vermiesen. Hinzu kommen Freundschaften oder geschäftliche Verbindungen, bei Politikern die Aussicht auf neue Wählerstimmen. Klärt man auf, weil man auf Unwissenheit gestoßen ist, ist man selbst der Störer.

      • „Die Stimmung vermiesen“ ist das Stichwort, das die Sache trifft.
        Es geht da um Stimmung einerseits, und andererseits geht es gegen Miesmacher, nicht?

        So bald in einer Stimmungsversammlung voller Bessermenschen einer sagt, dass ca. 85% der Flüchtlinge Mohammedaner sind, die ihre Frauen zwangsverheiraten und wie Halbmenschen behandeln, gilt er sofort als Rassist. Dabei hatte er noch gar nicht erwähnt, dass unter diesen 85% mindestens ein Viertel terroristische Ansichten und wohl Absichten hat, und dass drei Viertel glatte Hardcore-Judenhasser sind.
        Wehe, wenn er das dann doch noch sagt. „Störer“ wäre der reinste Euphemismus.

      • Das ist das Ergebnis des Zerfalls der Debattenkultur in Deutschland. Dabei ist die gute Debatte für unsere Grundordnung existentiell. Meinungsfreiheit ein Mittel, das beste Mittel, um die freiheitlich demokratische Grundordnung zu verteidigen. Und dazu gehört im Besonderen die Diskussion um Mißstände, Gefahren und Risiken. Was in den meisten politischen Sparten selbstverständlich ist, ist für den Bereich Migration-Integration tabuisiert.
        Mit einem totalitären Harmonisierungswahn übernehmen wir orientalische Gepflogenheiten. Dabei ist gerade Kritik und Widerstand Teil europäischer Kultur (Franz. Rev.) und hat uns dahin gebracht, wo wir (eigentlich) sind, während die mit dem wohlklingenden Titel „Respekt“ getarnte übliche Unterwürfigkeit im Orient durchaus als fluchtursächlich qualifiziert werden kann.

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