Nächstenliebe – das schwierigste der 10 Gebote

Man mag manchmal nicht fassen, was einem da erzählt wird.

Die Medien übertreffen sich gegenseitig mit den Nachrichten über die Massenflut von Flüchtlingen – in Deutschland. Die Kommunen klagen über Platzmangel. Die Kirchen predigen Nächstenliebe und halten Informartionen über leerstehende Grundstücke und Gebäude zurück. Die Anwohner von Asylbewerberheimen präsentieren ihre Vorurteile ohne Wimpernzucken und „fürchten“ sich – um den Wert ihrer Grundstücke, vor Kriminalität, Streit und Dreck. In Berlin wird Flüchtlingskindern verboten bestimmte Spielplätze aufzusuchen, in der Schweiz sind es die Schwimmbäder und Bibliotheken, die Asylbewerbern den Zugang streitig machen.

Gleichzeitig sorgen sich Politiker wie Dirk Niebel (Entwicklungsminister !!!) und Hans-Georg Friedrich um das „Image“ Deutschlands. Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Josef Scheuring, streitet sich mit dem Bundesinnenminister, ob es nun wirksamer sei, die illegale Migration direkt an der Grenze zu Deutschland (!) zu „bekämpfen“ oder im Rahmen einer schnellen Bearbeitung „hervorragende Ergebnisse“ zu erzielen.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verweigert einer 83jährigen warme Kleidung, weil sie aus einem bergigen Land käme und kalte Luft gewohnt sein müsse mit dem Hinweis, anders sähe es aus, wenn sie aus dem sonnigen Afghanistan geflohen wäre. Zur gleichen Zeit wünscht der Facebook-Auftritt des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge ein gesegnetes Ramadan-Fest und berichtet über das berühmte Ratha-Yatra-Wagenfest der Hindu-Gemeinde.

Um seine nicht wenigen Wähler mit islamischem Migrationshintergrund und deutschem Pass zu halten, verhehlt Kanzlerkandidat Steinbrück die besondere Lebensgefahr der Christen in Syrien und betont, die ihre „bevorzugte“ Aufnahme verstoße gegen das Gebot der christlichen (!!) Nächstenliebe.

Bei der umverteilungsbedingten Trennung einer komatösen Patientin von ihrer Schwester geht die Ausländerbehörde davon aus, dass die Zusammenführung ja nicht eile, weil das Koma ja noch andauere und bei der krebskranken Frau fragt die Behördenleitung vorwurfsvoll tadelnd, warum man nicht ein Visum zur Heilbehandlung gestellt und stattdessen die illegale Einreise bevorzugt habe. Die behandelnde Ärzte werden mit einem Naserümpfen zur Kenntnis genommen und mit einem Amtsarzt gejagt – als ginge es um lediglich kosmetische Behandlungen. Der Antrag auf eine Unterkunft mit einem behindertengerechten Bad (also ein Badezimmer ohne (!) Badewanne  und mit Bodenablauf) wird dem rollstuhlpflichtigen, jungen Mann und seiner 65jährigen Mutter, die keine Kraft mehr hat ihn aus der Wanne hoch- und runterzutragen, als Luxusverlangen vorgeworfen: „Es geht ihnen nicht um das Bad, glauben sie mir, die wollen nur eine eigene Wohnung“.

„Sozialhilfe“ , „illegal“ , „bekämpfen“ – das sind alles Begriffe mit negativer Konnotation. Auf der einen Seite verunglimpfen und verbergen sie die tatsächlich vorhandene Not der Menschen und erwecken den Eindruck, der Asylbewerber sei grundsätzlich der kriminelle Schwarzarbeiter mit Sozialhilfebezug, unhygienisch und gierig. Auch die gibt es. Aber es sind eben nicht alle so. Zudem versuchen diese und ähnliche Formulierungen den Eindruck einer Schutzbedürftigkeit des Wohlhabenden zu erwecken, um zu suggerieren, hier stünde jemand, der sich genau an dieser Stelle für den Erhalt des Wohlstandes und dem Schutz vor der drohenden, konkreten und erheblichen Plünderung einsetze.

Mit Erfolg. Viel zu oft klagen Menschen in Deutschland über das eigene Leid und veröffentlichen dieses mit dem neuesten Iphone, synchronisiert zum Ipad über Facebook, Leserbriefe und viele andere Kanäle – im Idealfall mit dem Foto der aktuell leckeren Mahlzeit. Vor lauter Selbstmitleid wird vergessen und verdrängt, dass es echtes Leid gibt.

Noch öfter wird übersehen, inwieweit die eigene Regierung entweder mitverantwortlich für die internationalen Krisenherde ist, Kriegstreiber stillschweigend unterstützt, oder zumindest von den Gegebenheiten profitiert.

Wer würde nicht den Weg gen Westen gehen, wenn das eigene Haus überfallen, der Bruder ermordet, die Schwester vergewaltigt und die Kirche zerstört wurde. Wer würde sagen, er warte noch ein paar Monate bis sein Visa-Antrag bearbeitet wird? Wer würde aufgeben und eine Antragsablehnung akzeptieren, um sodann auf den nächsten Anschlag zu warten?

Wer würde wirklich auf den Bruch ausländischer Einreisevorschriften der Sicherheit und Ordnung eines Staates wegen verzichten, wenn im eigenen Land kein Arzt mehr zu helfen vermag? Wer würde das vor sich hin Sterben vorziehen, weil das Visum zwecks Heilbehandlung mangels immenser Kostenverpflichtungen und Vorauszahlungen nicht erteilt wird und auf die Gelegenheit zur illegalen Einreise verzichten?

 

Menschen streben alle nach einem besseren Leben. Die da drüben ebenso wie die hier. Es zeugt von Überheblichkeit, wenn man glaubt, nur „der andere“ würde streiten, lügen, betrügen, erkranken, nach Hilfe suchen und die Gelegenheit beim Schopf packen. Anderenfalls wäre die Bundesrepublik ein einziges Paradies, es gebe keine Armut, weder deutsche Sozialhilfeempfänger noch Sozialhilfebetrüger, die Haftanstalten stünden leer und den Amtsgerichten wäre der Nachbarstreit fremd. So ist es aber nicht.

Ein Jeder ist nicht nur seines Glückes Schmied, sondern auch für sich selbst verantwortlich. Vor allem anderen aber ist man verantwortlich fürs eigene Überleben. Überleben – nicht Wohlstand. Ein wenig mehr Empathie und Menschenliebe stünde uns Menschen gut.

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