Dechiffriert !

Als Kind habe ich mich über meinen Vater sehr geärgert. Ich konnte nicht verstehen, warum er sich die türkischen Nachrichtensendungen anschaute, wenn er sich am Ende doch nur über sie aufregte. Ich schaue mir türkische Sendungen grundsätzlich nicht an. Die Serien interessieren mich nicht, die Nachrichten noch weniger.

Bis auf Sonntag letzter Woche. Regen und ein unheimlich starker Sturm hielten mich von einem Spaziergang ab und ich hing vor dem Fernseher. Fleißig benutzte ich die Fernbedienung, aber irgendwie schien es gerade nicht sehr spannend im TV vorzugehen. Und plötzlich….. oh…. den kenne ich doch?! Ja, Faruk Sen! Als Gast in einer türkischen Diskussionsrunde. Na, was der wohl bei ATV-Avrupa zu sagen hat? Mal kurz hinhören.

Und plötzlich, in nur drei Minuten, verstand ich meinen Vater. Ich ärgerte mich über das, was meinen Ohren zugemutet wurde. Und zumindest für eine kurze Weile konnte ich nicht umschalten.

ATV – Avrupa Türk Televisionı ist ein 1995 gegründeter Sender und bedient die Zielgruppe europäischer Türken. Bekannt ist der Sender grundsätzlich für seinen Serien. Aber selbstverständlich werden hier auch Nachrichten und Diskussionsrunden ausgestrahlt.

Sonntag, 16.00Uhr.

DESIFRE. Ein Streitgespräch auf ATV

Talkshow-Moderator Mehmet Ali Önel und seine Gäste Dr. Faruk Sen, Dr. Necla Mora und Ilhan Dogan unterhalten sich über die Nazi-Morde und versuchen, die Ereignisse, dem Namen der Sendung entsprechend, zu entschlüsseln.

Faruk Sen, der Integrationsforscher, hat lange Zeit in Deutschland gelebt und gearbeitet; u.a. als deutsch-türkischer Hochschullehrer und bis 2008 Leiter des Zentrums für Türkei-Studien. Er ist Träger des deutsch-türkischen Freundschaftspreises 2005. 1997 erhielt er den Landesverdienstorden NRW und 2003 das Bundesverdienstkreuz. Lange Zeit galt er als türkischer Ritter der Integration in Deutschland.

Als er den Völkermord an den Armeniern 2006 mit Nachdruck leugnete , wurde er scharf kritisiert. Als er dann zwei Jahre später, auch noch die Türken in Deutschland zu den neuen Juden Europas erklärte, war es endlich genug. Er wurde in die Türkei geschickt, um sich um den Aufbau der deutsch-türkischen Universität in Izmir zu kümmern. Eine finanziell verantwortungsvolle Aufgabe.

Träger des Projekts ist die Deutsch-Türkische Stiftung für Bildung und wissenschaftliche Forschung (DTS, türkische Abkürzung „Tavak“), deren Vorstandsvorsitzender Faruk Sen ist. Gesponsert wird die Stiftung u.a. vom Land NRW.

Kritik an den Ermittlungsbehörden und dem Verfassungsschutz ist grundsätzlich angesichts der Menge an Fehlern die im Fall NSU zusammentrafen, berechtigt. Und das die eine oder andere Behörde auf dem rechten Auge blind ist, ist auch nicht selten zu hören. Soweit gehe ich mit Herrn Sen.

Vermutlich um seinem Ruf als Experte für Deutschland und die Deutschen gerecht zu werden, versorgte Faruk Sen die Zuschauer jedoch mit Informationen der besonderen Art. Informationen, die in Deutschland nicht zu vernehmen sind.

Herr Sen informierte die Zuschauer darüber, dass Beate Tschäpe seit zwei Wochen aussagen wolle, die zuständigen Behörden jedoch bislang keine Aussage aufgenommen hätten. Dass diese Frau auf Empfehlung ihres Anwalts schweigt, verschwieg er. Sen, der Träger des Bundesverdienstkreuzes erweckte hier wider besseren Wissens den Eindruck, dass die deutschen Ermittlungsbehörden den Fall durch die Verweigerung zur Entgegennahme einer Aussage nicht wirklich aufklären wollten.

Sollte in den nächsten Wochen tatsächlich ein solcher Verdacht, nicht nur ins Blaue hinein, aufkommen, wäre dies mehr als nur skandalös und mit Sicherheit jeder Kritik wert. Dass jedoch Tschäpe reden will, und die Bundesanwaltschaft die Aussage nicht entgegennimmt, ist nach derzeitigem Stand, schlicht die unwahre, nicht unerhebliche Verzerrung der Umstände. Dass das Recht zu schweigen einem jedem Täter und jedem Terroristen in demokratischen Staaten wie der BRD zusteht, sei die Tat noch so grausam, ist an dieser Stelle bestimmt gefühlt unerfreulich. Eine demokratische Alternative ist jedoch auch nicht ersichtlich. Zudem scheint man derzeit über eine Kronzeugenregelung zu verhandeln. Diesen Umstand jedoch zur ermittlungsbehördlich fahrlässigen bzw. arglistigen Untätigkeit umzudeuten, überschreitet einmal mehr die Grenzen des guten Geschmacks.

Sen vergisst in seinem Redebeitrag auch nicht auf einen weiteren staatlichen Fehltritt hinzuweisen. Westerwelle, der deutsche Außenminister habe den Vorstandsvorsitzenden der Türkischen Gemeinde Deutschland getroffen und sich bei diesem für das Geschehene entschuldigt. Er habe jedoch nicht die Hinterbliebenen der Opfer besucht! Und noch wichtiger: Das Ganze sei nicht eine Frage der Entschuldigung, sondern eine der Entschädigung.

Genau in diesem Zusammenhang hat die vom Land NRW gesponserte, in der Türkei ansässige Deutsch-Türkische Stiftung für Bildung und wissenschaftliche Forschung, TAVAK, der Sen selbst vorsitzt, gemeinsam mit der SODEV Stiftung, einer sozialdemokratisch orientierten Stiftung aus der Türkei im Rahmen einer Pressekonferenz verkündet, die von der Bundesrepublik zugesagte Entschädigung in Höhe von 10.000 € sei lächerlich. Ein Betrag von mindestens 500.0000 € pro Familie sei zu leisten.

Ich will mir an dieser Stelle nicht anmaßen, einen bestimmten Betrag für angemessen zu erklären. Das Opferentschädigungsgesetz könnte vielleicht als Maßstab dienen. Mord ist eben Mord, gleich aus welcher Motivation gehandelt wird. Geht es um den Verlustschmerz, den die Hinterbliebenen eines Opfers zu bewältigen haben, würde wahrscheinlich kein Geld der Welt reichen. Sen sollte sich jedoch hüten, hier die Opfer für die eigene Profilierung zu instrumentalisieren.

An dieser Stelle möchte ich auch an den in Istanbul auf offener Straße von einem Nationalisten erschossenen Journalisten armenischer Herkunft, Hrant Dink, erinnern. Welche Entschädigung hat die hinterbliebene Familie Dinks vom türkischen Staat erhalten? Der Mord an ihm hat einen ebenso faschistischen Hintergrund wie die gegenwärtig zu ermittelnden Nazi-Morde. Die dem Verfassungsschutz und der Polizei gegenüber erhobenen Vorwürfe sind den Vorwürfen, die den türkischen Behörden im Fall Dink gemacht wurden, ähnlich. Siehe hier, hier und hier.

Sen kritisiert weiter. Die Bundesrepublik Deutschland verhalte sich grundsätzlich ungebührlich gegenüber ihren türkischen Migranten. Man denke nur an die Vorgabe in Moscheen in deutscher Sprache beten zu müssen. Der Staat mische sich in die intimsten Momente eines Menschen.

Auch hier würfelt Sen die verschiedensten Bereiche wissentlich zusammen, um den Zuschauern des Senders, welcher die Türken in Europa zu seiner Zielgruppe erklärt hat, ein falsches Bild zu präsentieren. Es geht bei der von Sen angesprochenen Regelung nicht um die Sprache des Gebets, sondern um die Sprache, in welcher der Religionsunterricht gelehrt werden soll.

Die hinter dieser Argumentation stehende Strategie ist alles andere als integrationsdienlich. Faruk Sen singt im Chor des Assimilierungsgegners Erdogan. Er pflegt Feindbilder und man sollte sich überlegen, inwieweit er, mit Blick auf die deutsch-türkische Freundschaft, in Form einer deutschen Universität in Izmir, tragbar ist.

Frau Dr. Necla Mora, der zweite Gesprächsgast, wurde als Professorin der Universität in Istanbul vorgestellt, welche sich mit der Entstehung von Fremdenfeindlichkeit eingehend beschäftigt habe. Ihre vermeintlich wissenschaftlichen Aussagen, ließen mich staunen. Hier die Kurzfassung einer ihrer Darstellung zur Entstehung der Fremdenfeindlichkeit im christlichen Europa:

Schon die ersten christlich-europäischen Besucher der heiligen Stadt Jerusalem, damals unter arabisch-muslimischer Herrschaft, staunten über Pracht und Wohlstand der arabischen Bevölkerung. Neid befiel sie schon zu diesen Urzeiten. Nicht nur gegenüber den Muslimen, sondern auch gegen die Juden des Landes hegten und pflegten sie diese von Neid geprägte Hasskultur, die mit den Kreuzzügen begann und schließlich im Dritten Reich Hitlers mündete. Doch trotz Kapitulation und Demokratie konnte diese, den europäischen Christen angeborene Fremdenfeindlichkeit bis heute nicht vollständig ausgelöscht werden.

Ach sooooo ist das also! Das ganze ist „genetisch“ zu erklären, „unheilbar“ und ein „Christen-Problem“.

Was würde Außenminister Davutoglu, nach seinem Treffen mit Innenminister Friedrich vor einigen Wochen, hierzu sagen? Würde er diese Äußerungen einer Angestellten der türkischen Universität, einer Universität des türkischen Staates, gutheißen? Würde er diese Aussage mit Blick auf die offizielle Meinung der Türkei unterstreichen oder verwerfen? Würde er sich die Zeit nehmen und um respektvollen Umgang mit den Religionen bitten?

Hat sich Frau Mora auch mit der in der türkischen Bevölkerung verbreiteten, kultartigen Atatürk-Verehrung beschäftigt? Wie erklärt sie diese Überhöhung eines Volkes?

Die dritte Einladung des Senders galt Ilhan Dogan. Ich gestehe, ich kannte weder ihn, noch seine „Aktion“ gegen die Morde des Nazi-Trios. Er wurde als self-made-millionaire vorgestellt. Mutig und angstfrei habe er seinen Entschluss, aufgrund der in Deutschland herrschenden Fremdenfeindlichkeit Deutschland zu verlassen, präsentiert, indem er die türkische Fahne in Übergröße aus seinem Fenster wehen ließ. Und auch er hatte uns einiges zu sagen. Ja, er gebe durchaus zu, seine Millionen verdanke er seinen Angestellten, und diese seien überwiegend deutscher Herkunft. Ja, Deutschland habe aus ihm den gemacht, der er sei. Aber man habe ihn mit dieser Feindlichkeit auch aus dem Land vertrieben. Schon bei seinen ersten Schritten im sog. Direktvertrieb habe man (deutsche Mitmenschen) ihn ausgelacht. Er verkaufe Parfüm. Na, was könne man daraus schon machen. Er jedenfalls habe Millionen gemacht, für das Parfums von Heidi und vielen anderen Prominenten.

Nun, nachdem alle drei Experten sich einmal ausführlich zu Wort gemeldet haben, etwa nach einer guten Viertelstunde, habe ich die Fernbedienung wieder in die Hand genommen. Mehr Dechiffrierung war mir nicht zumutbar.

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4 Kommentare

  1. Laura Jane Fischer

     /  22. Dezember 2011

    Hallo diefarbedesgranatapfels. 🙂

    Erst einmal bedanke ich mich für das außerordentlich gute Information, die Sie hier geschrieben haben. TOP! …

    Mein Lebenspartner ist türkischer Herkunft, der vor 37 Jahren hier in Deutschland geboren wurde. Daher auch mein jetziger Kommentar, denn zufälligerweise habe ich diese Sendung mit meinem Partner zusammen geschaut! 🙂

    Aber was mir ehrlich gesagt überhaupt nicht gefallen hat, ist dieser Punkt! Ich zitiere Sie: „Mutig und angstfrei habe er seinen Entschluss, aufgrund der in Deutschland herrschenden Fremdenfeindlichkeit Deutschland zu verlassen, präsentiert, indem er die türkische Fahne in Übergröße aus seinem Fenster wehen ließ.“

    Das ist definitiv FALSCHINFORMATION!!! Ilhan Dogan, können Sie im Internet recherchieren, hat an seinem Haus DIE DEUTSCHE UND DIE TÜRKISCHE FLAGGE AUFGEHANGEN – ALS ZEICHEN FÜR FREUNDSCHAFT ZWISCHEN DEUTSCHEN UND TÜRKEN!!! … Das Interview dazu finden Sie definitiv im Internet. Da werden Sie auch sein Haus mit den ÜBERGROSSEN FLAGGEN SEHEN!!!

    Mit lieben Grüßen aus dem Rheinland

    Laura Jane Fischer

    Antwort
    • Liebe Frau Fischer,
      sehr gerne korrigiere ich die von Ihnen kritisierte Falschinformation. Ja, Ilhan Dogan hat beide Fahnen an der Fassade seines Hauses befestigt. Vielleicht habe ich tatsächlich nicht mitbekommen, dass er auch von der deutschen Fahne gesprochen hat.

      Nichtsdestotrotz sieht man an dem von mir in meinem Beitrag gesetzten Link
      http://www.freitag.de/community/blogs/muhabbetci/tuerkische-unternehmer-verlassen-deutschland
      ebenso wie hier
      http://www.sabah.de/protestolu-veda.html
      und hier http://www.balkanforum.info/f77/ilhan-dogan-208710/ , dass Sie mit Ihrer Kritik Recht haben.

      Naja, zumindest teilweise. Ein Größenvergleich beider Flaggen wäre an diese Stelle wohl philiströs.
      Schauen wir uns lieber seine freundschaftliche Geste etwas genauer an.

      Eines vorab: Wut und Trauer des Protestierenden sind verständlich und nachvollziehbar. Und ich kann Ihnen versichern, dass auch ich die Täter, Hintermänner, Helfer und Helfershelfer dieser nationalistischen Terroristen mit Höchststrafen verurteilt sehen möchte.

      Darüber hinaus halte ich die Aktion von Herrn Dogan für gut überlegt. Schließlich beschäftigt man sich mit dem Entschluss, ein Land zu verlassen, eingehend. Eine entsprechende Begründung in dieser Form öffentlich zu präsentieren, erfordert ebenso Tiefgang. Daher gehe ich davon aus, dass es sich bei dieser Aktion nicht um einen reinen Gefühlsausbruch handelt. Erlauben Sie mir daher ebenso sachlich nüchtern auf Fahne und Text zu schauen.

      Was die Protestaktion betrifft, vage ich zu bezweifeln, ob das Aufhängen von Fahnen, auch wenn beide Fahnen präsentiert werden, nicht kontraproduktiv ist. Verdanken wir diesen Terror und die dahinter stehende Ideologie nicht gerade der Liebe zur Fahne? Es scheint, als ob hier mitgeteilt wird, dass der Eine die rote Fahne ebenso liebt wie der Andere die gestreifte.

      Der Text des Protestbriefes widerlegt diese Vermutung kaum und lässt freundschaftliche Inhalte vermissen. Ich frage mich, wieso der Verfasser die deutsche Bevölkerung als Ganzes angreift. Wenn in der Integrationspolitik von „den Türken“ geredet wird, findet schließlich auch keiner die Verallgemeinerung passend.

      Der Vorwürfe, man habe ihn gemobbt, nach seinem Leben getrachtet, ihn ins Gefängnis bringen lassen, ihn wie einen Hund gejagt, mögen stimmen. Weil er als Türke in Deutschland erfolgreich ist? Wirklich deswegen? Hatte er Feinde in der Geschäftswelt? Wahrscheinlich. Neider? Möglich. Aber waren das Einzelpersonen, die irgendeine Beziehung zu ihm hatten? Wahrscheinlich. Hatte er Probleme mit echten Nazis? Vielleicht.

      Aber war es tatsächlich Deutschland, die deutsche Bevölkerung als Ganzes sowie der deutsche Staat in Form von Verwaltung und Gerichten? Denn genau so, und nur so, liest sich sein Protestbrief. Und das ist nicht nur schade, sondern schlichtweg verleumderisch. Andernfalls ist dieser Mensch ein echter Pechvogel, der überall wo er antritt, auf Nazis und Nazi – Sympathisanten trifft.

      Und ja, es gibt sie! Menschen die andere Menschen nicht mögen. Der Eine mag keine Ausländer, der Andere keine Türken, und der Dritte keine Armenier. Der eine mag keine Moslems, der andere verabscheut Christen, der Dritte verachtet Juden. Menschen die Ausländer nicht mögen und sogar welche die Gewalt in diesem Zusammenhang befürworten, natürlich gibt es sie AUCH in Deutschland. Aber sind das so viele wie Herr Dogan hier zu verkaufen versucht? So viele, dass kein Nicht-Deutscher hier leben kann – ohne zu leiden? Ist Deutschland tatsächlich voller heimlicher Nazis und Rechtsextremisten, voller Menschen am rechten Rand? Zusätzlich zu den öffentlich bekennenden Rechten? Glauben Sie das wirklich?

      Und wie soll ich den türkischen Satz unten links, das Atatürk-Zitat, verstehen? „Wie froh derjenige, der sagt er sei Türke“ – Kann man Nationalismus freundschaftlich auslegen? Wenn Sie das können, sind Sie mir voraus. Ist das nicht so, als ob ein Deutscher sagt, er sei „stolz Deutscher zu sein“? Und wie reagieren die meisten Migranten, wenn ein Deutscher dies sagt? Erinnern wir uns nicht alle reflexartig an den Holocaust im Dritten Reich? Ermahnen wir uns nicht, mit gehoben Finger, gegenseitig daran, dass die deutsche Geschichte kaum Anlass gebe, Stolz empfinden zu dürfen?
      Wegen dem Holocaust, der Shoa, dem Völkermord an dem in Deutschland lebenden jüdischen Volk, darf man in Deutschland, außerhalb des Fußballs, offiziell nicht stolz auf seine Herkunft sein. Wieso darf dies ein Türke? Trotz des Genozides an den im Osmanischen Reich lebenden Armeniern? Wieso wird dieser Satz nicht von irgendjemandem kritisiert?

      Und wieso wird der nationalistische Satz unter dem Zeitungslogo der, auch in Deutschland täglich auflagenstark erscheinenden Hürriyet-Zeitung, „Türkei den Türken“, unter dem Abbild des Staatsgründers, nicht einmal von irgendjemandem kritisiert? Wir Deutschen sind doch Demokraten, Menschenfreunde und Feingeister, wenn es um die Diskriminierung von Minderheiten geht. Stellen wir uns die Reaktionen vor, wenn die BILD-Zeitung ihr Logo mit „Deutschland den Deutschen“ unterstriche?

      Freundschaftlich ist an dem Protestbrief nichts. Muss es auch nicht. Problematisch ist der Brief lediglich, weil er einen falschen Eindruck vermittelt. Und gerade deswegen ist es schade, dass die deutschen Medien so gut wie nichts von diesem Protest mitbekommen haben. Hier hat ein Migrant mit türkischem Migrationshintergrund nicht lediglich gegen den Terror protestiert. Vielmehr hat er dem in Deutschland vermeintlich in Übermaß herrschenden Nationalismus den eigenen Nationalismus präsentiert. Mehr nicht.

      Ich freue mich, dass sie im Übrigen nichts an meinem Artikel auszusetzen haben. Haben SIE etwas AN DER SENDUNG auszusetzen gehabt?

      Antwort
  2. Detlef Alsbach

     /  19. Dezember 2011

    Als ich vor einigen Wochen auf diesen Blogg gestoßen bin, habe ich sehr gestaunt. Gestaunt darüber, dass hier nicht eine Meinung publiziert wird, sondern Fachwissen. Würden Politiker dieser Fachwissen haben oder es sich aneignen wollen, hätte die Bundesrepublik viel weniger Probleme. In diesem Blogg wird absolut nüchtern berichtet, nicht polemisiert und es ist wahr, was hier steht. Nur wollen die Leute das? Wer hier liest, weiß mehr. Und muss mehr über die Sachen nachdenken. Das ist schwer, kostet Zeit. Aber es lohnt sich.

    Zum Artikel

    Zunächst einmal vorweg: mir geht es auch so, ich nehme mir immer vor, bestimmte Nachrichtensendungen nicht zu sehen, tue es dann doch und bekomme Schaum vor dem Mund, oftmals wegen der unglaublichen Dummheit und Verlogenheit der Beiträge. Was aber hier beschrieben wird, ist menschenverachtend, aber wir dulden es ja und zahlen noch dafür. Man stelle sich vor, wie groß das Geschrei wäre, wenn ein Christ eine solche Forderung stellt: Blutgeld für ermordete Christen oder für Menschen, die gesteinigt worden sind. Eine Entschädigung für verheiratete Kinder und Jugendliche oder für vertriebene Schwule. Wer bekommt eigentlich von wem Geld bei einem Ehrenmord?

    Es ist absolut unstrittig, dass deutsche Behörden versagt haben. Ich möchte gar nicht daran denken, warum. Der Fall wird aufgeklärt werden, daran besteht kein Zweifel und die Verantwortlichen werden in die Verantwortung genommen. Viele Zeitgenossen versuchen aber, aus dem Fall NSU, dieser verdammungswürdigen Terrorzelle, Kapital zu schlagen, oft auf der politischen Ebene. Farum Sen ist das Paradebeispiel. In den Medien wird gelogen und somit auch betrogen auf Teufel komm raus. Man könnte meinen, je perfider jemand lügt, desto besser wird der Zweck erfüllt.

    Tja, und nun werden die sprichwörtlichen Hosen herunter gelassen, dies ist aber keine Andeutung zu Herrn Westerwelle. Vielmehr ist die Entschädigung gemeint. Wie hoch ist der Wert eines Lebens? Ich kann nur auf Jörn Klare: Was bin ich wert, eine Preisermittlung verweisen. Ein Menschenleben ist nicht mit Geld zu bezahlen, eine Entschädigung ist immer ein hilfloser Versuch, der Hilflosigkeit Ausdruck zu verleihen. Nun muss ich einfach polemisch werden, auch auf die Gefahr hin, dass ich als rassistisch, ausländerfeindlich oder rechtsextrem bezeichnet werde. Anstatt mit den Angehörigen zu trauern, fordert er Geld, viel Geld, unglaublich viel Geld.

    Vor einiger Zeit habe ich einen Bericht über einen Afghanen gesehen, der Mann war tot traurig, weil er seinen Sohn verkaufen musste. Er hat ihn sehr geliebt. Verkauft hat er ihn trotzdem, denn die Familie muss ja leben. Die Rücklagen waren aber nicht aufgebraucht, denn er hatte noch 2 Söhne, leider auch eine Tochter. Diese Tochter an den Mann zu bringen, ist gar nicht so leicht, oftmals muss man dafür bezahlen. Aber er hatte ja noch Söhne. Der Mann hatte insgesamt 4 Söhne, einer wurde erschossen, dafür bekam er dann eine Entschädigung. Sie fragen sich jetzt, was diese ekelhafte, aber wahre Geschichte mit Herrn Sen zu tun hat? Ganz einfach, denn offenbar hat sich der Preis für einen Toten erhöht. In Afghanistan scheint das Überleben einer Familie mit dem Tod eines Familienangehörigen nahe zusammen zu liegen. Herr Sen facht die Gedanken an, indem er eine Entschädigung in Höhe von 10.000 € als lächerlich zurückweist und mindestens 500.000 € pro Familie fordert. Kann man da nicht auf den Gedanken kommen, darüber nachzudenken, was Glück ist, entweder einen Menschen zu verlieren oder eben nicht zu verlieren, wenn man dafür Geld bekommen kann? Ich entschuldige mich für die Polemik, aber wenn ich den Unsinn von Herrn Sen lese, kann ich das nicht anders formulieren.

    Nimmt man Herrn Sen ernst, dann soll in Zukunft die Bundesrepublik zahlen, immer dann wenn man die Meinung vertritt, dass ein nationalsozialistischer Hintergrund für den Tod eines Türken oder einer Türkin verantwortlich ist. Kommt dann nicht auch der Gedanke auf, dass diese Fälle vielleicht konstruiert werden, um Kasse zu machen?

    Herr Sen scheint nicht ganz zu wissen, was in den Moscheen manchmal gesagt wird, denn wenn er ein Demokrat wäre, müssten ihm die Haare zu Berg stehen, wenn er hört, wie während eines Gottesdienstes Christen beleidigt und diffamiert werden. Es ist mehr als logisch, dass Gottesdienste in der jeweiligen Landessprache abzuhalten sind. Nur so ist Kontrolle möglich. Wer nichts zu verbergen hat, kann mit gutem Gewissen zustimmen.

    Aber kurzum, die Christen sind alles Schuld, es muss so sein, war schon immer so und wird auch so bleiben. Also zahlen die auch. Ist nur sonderbar, dass man von den Menschen, Christen sind Menschen, hoffentlich, Geld nimmt. Das christliche Geld scheint einen anderen Stellenwert zu haben als der Christ.

    Eine kleine Frage zum Schluss an Herrn Sen: wie viel Euro ist ein Armenier wert?

    In diesem Sinne

    Detlef Alsbach

    Antwort
    • Auf die Idee, dass diese Fälle zwecks Kapitalbeschaffung konstruiert werden, bin ich nicht gekommen. Über soviel Phantasie muss man erst einmal verfügen. Aber warum nicht die Gelegenheit am Schopf packen? Dieses Motto scheint für viele Vertreter der hierlebenden türkischstämmigen Migranten zu gelten. Faruk Sen und Kenan Kolat finden in diesem Zusammenhang immer Gründe sich zu Wort zu melden, Unterrichtet man türkische Kinder in türkischer Geschichte mit Blick auf den Völkermord, erleiden diese unzumutbare Qualen und fühlen sich ausgegrenzt (so Kolat immer wieder), also wird die Unterschlagung dunkler Kapitel befürwortet. Ebenso werden Migrantenquoten befürwortet. Die Quote als Türöffner einer Erweiterung patriotisch gefärbter Interesspolitik. Sen ist noch verschlagener.

      Ja, Herr Alsbach, das ist die richtige Frage. Wie viel ist ein Armenier Wert? Anscheinend nicht einmal die Wahrheit. Die Beleidigung von Christen, im Besonderen von Armeniern, übernimmt Sen regelmässig selbst. Auf französischem Boden kann er dies jetzt zumindest nicht ungestraft! Das französische Parlament hat heute richtig entschieden. Die Leugnung eines Völkermordes ist unter Strafe zu stellen. Auch wenn es um den Völkermord an den Armeniern geht. Deutschland könnte sich die heutige Abstimmung in Frankreich zum Vorbild nehmen, anstatt sich an den fadenscheinigen Rufen nach einer Historikerkommission zu beteiligen und sich auf die türkische Verschleierungstaktik einzulassen.

      Antwort

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